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Ich bin jetzt von Beruf Freiwilliger

Bald gebe ich meinen Job auf und bin nur noch für Mazay da. Mein Wunsch: zu 100 Prozent gemeinnützige Arbeit machen zu können.



Eins vorweg: Es ist mega blöd, für sich selber Werbung machen zu müssen. Es ist mir unangenehm und es liegt mir nicht. Aber es muss nun mal sein.


Denn schon bald arbeite ich zu 100 Prozent für Mazay und dies als Freiwilliger. Meinen bezahlten Job gebe ich auf, ein Einkommen werde ich dann nicht mehr haben. Ich will künftig Vollzeit gemeinnützige Arbeit machen.


Ich sehe meine Aufgabe bei Mazay so: Ich ermögliche, dass sich Freiwillige in einer Art und Weise für Geflüchtete einsetzen können, die einen echten Unterschied macht. Ich koordiniere, organisiere, informiere und kommuniziere, damit die mehr als 40 Engagierten in unserer Gruppe das machen können, was es im Asylbereich so dringend braucht: Unterstützung bei der sozialen Integration. So schafft Mazay als Gruppe, dass sich Personen, die neu in Bern sind, hier wohl fühlen.


Damit ich diese Aufgabe wahrnehmen kann, habe ich die Website www.dominikgalliker.info gestaltet. Über die Seite kann, wer meine Arbeit wertvoll und wichtig findet, mich unterstützen, zum Beispiel mit zwei oder fünf Franken pro Monat. Tun dies genügend Personen, kann ich meine Lebenskosten - rund 1500 Franken pro Monat - decken.


Vor mittlerweile mehr als drei Jahren haben meine Kollegin Rebecca und ich Mazay gegründet - aus einem Gefühl heraus, das ich bis heute habe: Wenn Menschen aus anderen Kulturen neu nach Bern kommen, dann sichern die offiziellen Stellen, dass sie ein Dach über dem Kopf haben, dass sie Geld und Essen und Zugang zum Gesundheitswesen haben. Doch das allein reicht nicht annähernd, um Bern als neue Heimat sehen zu können.


Ein Beispiel: Ein Mann, um die 60, aus Afghanistan, verheiratet, fünf erwachsene Kinder, seit zwei Jahren in der Schweiz. Aus Sicht der Sozialhilfe ist er versorgt: Er wird bis an sein Lebensende jeden Monat genug Geld erhalten, besucht einen Deutschkurs, putzt Busse für Bernmobil und kann zum Arzt, wenn er etwas hat. Trotzdem sagt er, er fühle sich wie "Vieh im Stall". Seine Rolle als sorgender Familienvater hat er verloren, er ist abhängig von der Hilfe seiner Kinder, hat kein soziales Umfeld, keine Aufgabe. "Ich kann fressen und schlafen, sonst kann ich nichts", sagt er. Ich will nicht, dass wir einfach akzeptieren, dass jemand, der neu nach Bern kommt, über lange Zeit so leiden muss.


In den letzten drei Jahren habe ich rund 70 Prozent als Freiwilliger für Mazay gearbeitet. Zu Beginn war ich Deutschlehrer, Helfer bei Administrativem, dann vermehrt Zuhörer, Begleiter zu Asylanhörungen, Vertrauensperson, Mediator, Beantworter von Fragen. Nun ist Mazay gewachsen. Wir begleiten rund 40 Personen im Alltag, haben ein Café, Nachhilfe und vieles mehr. Damit hat sich meine Rolle gewandelt. Ich bin nun eher derjenige, der Rahmenbedingungen schafft, damit Andere die Aufgaben übernehmen können, die ich zuvor hatte.


Mein Wunsch ist, mich voll und ganz auf diese Arbeit konzentrieren zu können. Es war für mich schön zu sehen, wie viele Menschen bereit sind, dazu etwas beizutragen. Dank Supporter*innen erhalte ich bereits jetzt rund 700 Franken pro Monat. Dafür bin ich sehr dankbar. Viel fehlt nicht mehr, dann erhält mein Arbeitgeber die Kündigung.


Ich würde mich freuen, wenn du meine Website besuchen würdest: www.dominikgalliker.info.


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